Der "ABV" hatte kein Pendant in Westdeutschland. In Zeiten zunehmender Unsicherheit und nachbarschaftlicher Anonymität geben heute Behörden viel Geld aus, um Konzepte zu erarbeiten, die erklären, wie es Polizisten durch "Bürgernähe" gelingt, Vertrauen und Legitimität zu erwerben.
Nun: "Wir" hatten den "ABV"!

Den "ABV" kannte jeder in der Straße und auf dem Kiez: Allein durch seine regelmäßigen Streifengänge war er ein vertrautes Bild. Zusätzlich stand der "ABV" zu wöchentlichen, rege genutzten Sprechzeiten zur Verfügung. Da beschwerte sich dann Oma Hildegard über die nächtlichen Trinkgelage der jungen Nachbarschaft, der Herr Müller meldete den beobachteten Diebstahl eines Autoradios - oder der "ABV" wurde auf vernachlässigte Kinder aufmerksam gemacht.
In der Realität hing das Wirken des "ABV" natürlich auch immer am Charakter und der Persönlichkeit des Beamten. Das progressive "ABV"-System war dezentralisiert und die "ABV" (die in der Regel den verdienten Rang eines Leutnant oder Oberleutnant hatten) waren laut ausdrücklich dazu aufgefordert, ihre Aufgaben eigenverantwortlich anzugehen.

