Radio DT64: "Power von der Eastside!"

Radio DT64: "Power von der Eastside!"

"Power von der Eastside!": Mit seinem täglichen Programm von 4 bis 24 Uhr war das "Jugendradio DT64" eine Institution im DDR-Radio und (tatsächlich!) Vorreiter und einmalig in Europa.

DT64 war ursprünglich ein jugendliches Sonderprogramm der DDR-Radios.

Am 15.05.1964 um 5 Uhr startet eine Sonderredaktion des Rundfunks der DDR, u. a. mit der „Junge-Welle“-Kernmannschaft sendet dieser 99 Stunden bis 19.05.1964 um 8 Uhr als „Sonderstudio Deutschlandtreffen“ nonstop vom Deutschlandtreffen der Jugend (DT64): eine Art Serviceprogramm für die Teilnehmer und Gastgeber. Die Tageszeitung „Neue Zeit“ schreibt am 15.05.1964 zu den Frequenzen: "Von heute bis zum Dienstag strahlt er ohne Pause auf der Mittelwelle 611 KHz und der Ultrakurzwelle 95,8 MHz sein Programm aus."

In der Bezeichnung des Programms bürgerte sich schnell die Kurzform „DT64“ ein.

Wegen der positiven Hörerreaktion wird sechs Wochen später das Nachmittagsprogramm des Berliner Rundfunks zum „Jugendstudio DT64“ umgestaltet. Empfangbar DDR-weit über UKW und MW.

Im Frühjahr 1986 ging DT64 aber als eigenständiger Sender On Air, der täglich von 13 bis 24 Uhr sendete.

1989 berichtete der Sender unabhängiger und klarer als viele andere Medien in der DDR über die politische Lage. Nach einer ersten Abschaltung im September 1990 und anschließenden erfolgreichen Protesten entstanden ab 1991 in vielen Städten Ostdeutschlands DT64-Freundeskreise. Diese entwickelten sich zur größten Jugendbewegung der 1990er Jahre in Ostdeutschland. So demonstrierten allein in Dresden im Dezember 1991 mehr als 10.000 Menschen für den Erhalt der Sendelizenzen von DT64.

"Helmuts Ruhe ist gestört, weil Hannelore DT64 hört!"

Wie so vieles sollte mit dem Ende der DDR 1990 auch das "Jugendradio DT 64" aus dem Äther verschwinden. Es kam zu einer bis heute einzigartigen Protestwelle und Rettungsbewegung der Hörerschaft, die sich der Abschaltung entgegenstellte. DT 64 war übrigens auch DER Ort im Äther, an dem sich die noch junge deutsche Technokultur Berlins entwickelte. Für die Generation ohne Internet schwer vorstellbar: Der Radiosender DT64 gab Jugendlichen den Zugang zur Technokultur. Unter anderem mit der Sendung “Dancehall” von Marusha wurde der Sender bei der Jugend des frisch vereinten Deutschlands beliebt. Auch wenn man in ländlichen Gegenden wohnte oder noch zu jung für Clubs war, hatte man mit DT64 die Chance Techno zu hören.

Die MAYDAY Dortmund (damals, 1991, noch eine Veranstaltung in Berlin-Weißensee) startete am 14.12.1991 als Protestveranstaltung gegen die (von westdeutschen "Einigern") verkündete Abschaltung von DT64. Westbam, Sven Väth, Marusha, Tanith und etliche frühe Techno-Protagonisten setzten sich 1991 mit ihrer Musik der Unterdrückung musikalischer Vielfalt zu Wehr. DT64 übertrug den ersten großen Rave Deutschlands live im Radio. Am Ende erfolglos. DT64 verschwand. Die MAYDAY blieb.

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